In der Familie Merz kommt ihr die Rolle der exotischen Tochter zu. Während ihre Geschwister sich um Arzneien gegen Alzheimer und Tinnitus sowie Gesundheitsprodukte wie Badezusätze und Schönheitspillen kümmern, produziert sie Kugelschreiber für Werbeaktionen von Unternehmen. 300 Millionen an der Zahl verlassen im Jahr die Senator-Fabrik in Groß-Bieberau im Odenwald, um in Deutschland und jenseits der Grenzen verschenkt zu werden.

Die Tochtergesellschaft des Frankfurter Merz-Konzerns stellt damit den Löwenanteil der Kugelschreiberproduktion in Deutschland. Insgesamt 468 Millionen Stück wurden zuletzt binnen Jahresfrist von den Odenwäldern und Mitbewerbern wie Lamy, Staedtler und Schwan-Stabilo hergestellt, wie es beim Industrieverband Schreiben, Zeichnen, Kreatives Gestalten in Nürnberg heißt. Die Mitglieder der Werbeartikel-Branche bewegen sich demnach in einem leicht wachsenden Markt, der nach Angaben von Experten weltweit mehr als 390 Milliarden Dollar ausmacht. Dazu passt die Aussage von Michael Nick, dem Geschäftsführer der Senator GmbH & Co. KG, sein Unternehmen lege in Deutschland jährlich um drei bis fünf Prozent zu. Den Marktanteil vermag er ebensowenig zu beziffern wie der Branchenverband: „Wir wären froh, wenn wir solche Daten hätten.“

Als Handwerksbetrieb 1920 gestartet

Dass Senator in Groß-Bieberau fertigt, liegt zunächst in der Geschichte begründet. 1920 riefen Friedrich Merz und sein Bruder Georg mit dem Drechslermeister Justus Krell das Unternehmen Merz & Krell ins Leben, dessen Domizil an der Bahnhofstraße nach wie vor genutzt wird. Mit den Jahren wurde der frühere Handwerksbetrieb für Holzfederhalter und Drehbleistifte zu jenem Schreibgerätehersteller, der sich als eines der weltweit führenden Unternehmen auf seinem Gebiet versteht, fortentwickelt; Tochtergesellschaften in Frankreich, Großbritannien, Holland, Polen und den Vereinigten Staaten zählen dazu. Außerdem verfügen die Odenwälder über ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem indischen Geschäftspartner in diesem aufstrebenden Markt in Asien und sind in Russland und Skandinavien vertreten.

Für die Produktion im Odenwald ist der hohen Automationsgrad wesentlich, wie Nick und der Sprecher des Branchenverbands unisono sagen. Denn in den Billiglohnländern China und Indien ist eine wachsende Konkurrenz entstanden, die ebenfalls weltweit ihre Produkte vertreibt – unf dabei kaum Hemmungen hat, Kugelschreiber von Senator zu fälschen, so wie es zuletzt auf der Frankfurter Messe „Paperworld“ wieder einmal auffiel. „Da haben wir viele Plagiate eingesammelt“, sagt Nick und kündigt an, Gleiches demnächst bei einer Messe in Hongkong zu tun, wenn es nötig sein sollte.

Vor diesem Hintergrund rechnet es der Geschäftsführer dem Unternehmen als Stärke zu, den gesamten Produktionsprozess in eigener Regie in Groß-Bieberau zu haben. Das heißt: Designer entwerfen Kulimodelle, ein paar Räume weiter werden die notwendigen Werkzeuge kreiiert, eigene Maschinen spucken bis zu eine Million Schreibgeräte am Tag aus, die noch am Ort den Wünschen der Kunden gemäß bedruckt werden, bevor sie über Zwischenhändler den Abnehmern zugehen; selbst Minen stellen die Odenwälder selbst her. Zu den Endkunden zählen die Deutsche Bank und die Lufthansa, BMW und Mitsubishi sowie weitere Weltkonzerne, aber auch kleine Unternehmen sowie Parteien, die in Wahlkampfzeiten mit Kulis nicht geizen.

Für die Zukunft nach jüngster Stagnation „zuversichtlich“

Bis ein Kugelschreiber-Modell auf den Markt kommt, muss Senator kräftig in die Entwicklung investieren. 500.000 bis 800.000 Euro inklusive der Maschinen fällig, wie Nick erläutert. Da ein Kugelschreiber blank für elf Cent und mit Aufdruck für 25 Cent verkauft wird, muss das Unternehmen in der Folgezeit einige Millionen Stück absetzen, um die Kosten einzuspielen und Geld zu verdienen. Sehr gut ist ihm das bei einem seit 1997 verfügbaren Modell gelungen: 429 Millionen Exemplare sind davon verkauft.

Im Geschäftsjahr 2006/07 hat Senator einen Umsatz von 65,2 Millionen Euro erzielt. Dies entsprach einer Stagnation, nachdem die Erlöse zuvor noch um vier Prozent rückläufig gewesen waren. Zwar lag der Gewinn vor Zinsen und Steuern leicht unter Wasser, doch steht für Konzern-Aufsichtsratschef Jochen Hückmann die Zugehörigkeit von Senator zur Merz-Gruppe außer Frage. „Wir sind zuversichtlich, dass wir das Segment ausbauen können“, sagte Hückmann bei der Merz-Bilanzpressekonferenz im November. Und Nick zeigt sich zuversichtlich, in diesem Geschäftsjahr eine „schwarze Null“ zu erreichen – „obwohl uns der Dollar gerade nicht hilft“. Begründung: Nach dem Erwerb des Unternehmens Dart Manufacturing in Dalles/Texas dürfte sich das zuletzt schwächelnde Amerika-Geschäft, das für das negative Ergebnis verantwortlich gewesen sei, erholen.

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Autor

Christian

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